Mit dem Waschbrettbauch nach Nauru
von Max
Bietet mir im Büro jemand ein Stück Kuchen an (das passiert etwa alle fünf Minuten; die Leute scheinen sich hier noch ehrlich über ihre Geburtstage zu freuen) antworte ich gerne: “Nein danke, Operation Waschbrettbauch verbietet es.” Das meine ich natürlich nicht ganz ernst. Zwar bin ich eitel und hätte, wie wohl jeder Mann, in schwachen Momenten gerne einen trainierten fettfreien Bauch. Aber ich bin mir über die Nachteile eines solchen Accessoires im Klaren.
1. Eure Freundin findet euch unheimlich, entwickelt trotz hübscher Figur Komplexe und verkrampft im Bett.
2. Ihr seht, objektiv betrachtet, nicht schön aus. Die kommerziell motivierte Konditionierung durch Werbung ist machtvoll, aber bedenkt bitte, was ein Waschbrettbauch ist: Bündel aus Muskelfasern. Wenn da keine Fettschicht mehr schützt, dann seht ihr sozusagen die freiliegende Maschinerie. Wer noch Schwierigkeiten hat, dies nachzuvollziehen, der stelle sich den entzückenden Venushügel links ohne Fett vor, mit hervorstechendem Schambein …
3. Ein Waschbrettbauch ist ohne Entwässerungspillen nicht zu erreichen. Das heißt, ihr trainiert wie Geisteskranke (“wie” ist eigentlich zu schwach, denn die Trainingsintensität ist so hoch, dass der Wahnsinn hier Realität wird), und dehydriert dann künstlich. Über einen gesunden Teint braucht ihr euch anschließend keine großen Gedanken mehr machen, der ist passé.
Wie ich auf all das komme? Nun, ich habe gerade in der letzten “Neon” geblättert und erfahren, dass die dicksten Menschen der Welt auf Nauru leben. Die BBC berichtet, dass auf dieser winzigen Pazifikinsel 94 Prozent der ca. 13.000 Einwohner übergewichtig sind, und das nicht zu knapp. Grund ist eine genetische Veranlagung. Generationen von Naurus sahen sich mit sporadischen Hungersnöten konfrontiert, also gab es eine natürlich Auslese hin in Richtung optimale Fettverwertung. Da Naurus nun fast sämtliche Produkte des täglichen Bedarfs importieren und Wert legen auf geringe Importpreise, kommen riesige Mengen Fastfood ins Land, die das Inselvolk optisch in einen US-Trailerpark verwandeln.
Ich denke, die Menschen haben noch einigermaßen Glück, weil sie mit einer Hautfarbe gesegnet sind, die den Schwabbel einigermaßen verträgt (wer jetzt nicht weiß, was ich meine, sollte ein Hallenbad in Stoke-on-Trent besuchen), aber es ist schon übel, was fremde Lebensgewohnheiten anrichten können. Das erinnert fast an die Einschleppung eines fremden Erregers durch Schiffe, was auf vielen Inseln beobachtet wurde. Langfristig dürfte sich das Fastfood als ebenso tödlich erweisen.
Interessant wäre nun zu erfahren, wie das Schönheitsideal auf Nauru beschaffen ist. Was denken dicke Menschen über dicke Menschen? Hätten dicke Menschen gerne Sex mit dicken Menschen oder ist die Website www.skinnywhitegirl.com Bookmark Nummer eins auf der Insel?















