Jules Verne: Die Geheimnisvolle Insel

von Max

Die Geheimnisvolle Insel Jules Verne

Eine Enttäuschung. Ich habe “20.000 Meilen unter dem Meer” als Jugendlicher verschlungen, dann noch mal als Erwachsener und konnte auch beim zweiten Mal sagen: fantastisches Buch.

Nun sah ich bei Amazon “Die Geheimnisvolle Insel”, ebenfalls von Jules Verneund angeblich nach den 20.000 Meilen sein bekanntestes Buch. Die Inhaltsangabe gibt’s bei Wikipedia mit gewohnter Akkuratesse, den Verriss nun hier auf der Isla del Paso.

Jules Verne schrieb “Die Geheimnisvolle Insel” als Fortsetzungsroman für eine Zeitung. Das war damals eine populäre Form und brachte Autoren eine dauerhafte Einnahmequelle. Die Form verführte allerdings zu Geschwätzigkeit, denn die Autoren trennten sich ungern von ihrer lukrativen Schöpfung und so kamen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Ehrfurcht einflößenden 1.000-Seiten-Ziegel zustande, die heute in den Bibliotheken vor sich hin stauben. Das kennen wir auch von Charles Dickens, aber der war origineller.

Verne hält sich endlos mit komplizierten Naturbeschreibungen auf und schreibt  redundant über seine Figuren. Die Charakterisierungen gleichen mitunter Steckbriefen, heruntergetippt im Überschwang. Die Anzahl der positiven Eigenschaften, die Verne, seinen Figuren aufdrückt, ist nur schwer erträglich. Ebenso die Klischees. Der einzige Farbige ist natürlich ein Ausgeburt an Treue gegenüber seinem (weißen) Herren, der Journalist ist ein äußerst gewitzter Schnelldenker, der Ingenieur MacGyver. Der Hund ist eine unfehlbare Spürnase, der Seemann ein leicht abergläubiger Simpel, ein menschlicher Muli. Schwarz-weiß, oben unten, links rechts. Dazwischen ist nicht viel zu entdecken. Die Handlung plätschert und plätschert. Es wird nie richtig langweilig, aber auch nicht spannend.

Ich habe eben noch mal im Regal nachgesehen und festgestellt, dass meine Ausgabe von “20.000 Meilen unter dem Meer” die gekürzte Jugendausgabe ist, kaum 300 Seiten stark. Vielleicht wäre das ein Tipp auch für “Die Geheimnisvolle Insel”. Kürzen, neu rausbringen, Spaß haben.