Fiktive Insel des Monats: Lummerland

von Max

Das Kernland

Lummerland gilt der Inselforschung als reiches Betätigungsfeld. Denn obwohl dieser Zwergstaat bereits in den 60er-Jahren entdeckt wurde, konnten Wissenschaftler bisher nicht ansatzweise erklären, welche sozio-ökonomischen Gesetzmäßigkeiten für das kulturelle, wirtschaftliche und soziale Überleben Lummerlands sorgen.

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer

Titel der Primärquelle

Lediglich über die geografischen Gegebenheiten herrscht mittlerweile Klarheit. Lummerland ist lt. Primärquelle (“Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer”) “etwa doppelt so groß wie unsere Wohnung”. Michael Ende war während der Arbeit an dem Roman noch unbekannt. Daher kann hier als Richtschnur die deutsche Durchschnittswohnung von 65 Quadratmetern als Basis dienen. Die so ermittelte Grundfläche Lummerlands beträgt 130 Quadratmeter. Lummerland ist somit der kleinste Inselstaat der Welt und leidet trotz seiner geradezu spurenelementarischen Bevölkerung von fünf Personen (Stand 1960) unter massiver Überbevölkerung.

Erwähnenswert sind zwei Berggipfel, Teil eines Zentralmassivs, das wahrscheinlich vulkanischen Ursprungs ist. Es gibt bislang jedoch keine Hinweise auf seismische Aktivität. Die Höhe der Berge konnte anhand von Filmaufnahmen (“Augsburger Puppenkiste”) mittels Messung von Sonnenhöhe und Größe der Passanten ermittelt werden. Sie beträgt 64 Meter (mit einer Toleranz von zehn Prozent).

Lokomotive Emma

Naiver Nachbau eines lummerländischen Schienenfahrzeugs. Foto: Hanspeter Stähli

Gemessen an seiner Größe verfügt Lummerland über eine einseitige, in ihrer Ausprägung aber geradezu größenwahnsinnige Infrastruktur. Das Eisenbahnverkehrswesen bedeckt die gesamte Insel und verläuft durch Untertunnelungen fünfmal durch das zentrale Bergmassiv der Insel. Güterbahnhöfe und andere Anzeichen von Warenverkehr konnten nicht lokalisiert werden. Lediglich ÖPNV wurde nachgewiesen. Nach zahlreichen verdeckten Überflügen, besteht heute außerdem Kenntnis über das Streckennetz. Pläne kursieren im Internet, häufig jedoch fehlerhafte. In diesem hier etwa konnte die Position des fünften Tunnels, auf den die Primärquelle klar hinweist, nicht ermittelt werden. Aufklärungsfotos aus geringer Höhe erbrachten jedoch weiterführende Hinweise.

Aufschluss herrscht ebenfalls über die Demografie und Staatsform. Die Koedukation weist eine starke maskuline Ausprägung auf. Die einzige Frau hört auf den Namen Frau Waas und befand sich bereits 1960 augenscheinlich jenseits der Menopause. Der Fortbestand ohne Einwanderung ist somit gefährdet. Einwanderungsbestimmungen oder gar eine Asylgesetzgebung existieren jedoch nicht.

Die Staatsform Lummerlands ist eine Autokratie mit einem König als alleinigem Herrscher. Eine Gewaltenteilung konnte ebenso wenig beobachtet werden wie eine freie Presse. Filmaufnahmen (“Augsburger Puppenkiste”) haben jedoch Herrn Ärmel beim Fotografieren gezeigt. Die Bildung einer Opposition aus einer rudimentären Pressearbeit kann daher nicht ausgeschlossen werden.

Annektion von Neu-Lummerland

Kurz nach der Entdeckung Lummerlands konnte die Literaturwelt eine erstaunliche Vergrößerung des Kernlandes beobachten. Der Staat Lummerland beschloss kaum 335 Seiten nach seiner Entdeckung die Angliederung einer schwimmenden Insel an das bestehende Staatsgebiet. Neu-Lummerland vergrößerte den Umfang des Gesamtstaats um schätzungsweise 120 Prozent. Aufbau und Herkunft des schwimmenden Eilands würden den Rahmen dieser Arbeit sprengen, daher nur einige Ansätze: Das Fundament Neu-Lummerlands baut höchstwahrscheinlich auf hochgradig porösem Korallenmaterial auf. Denkbar ist auch Basalt. Bodenproben konnten bisher nicht entnommen werden, da die verdeckte Entnahme unter der ständigen Beobachtung Schwierigkeiten aufwirft.

Ausblick

Das reale Vorbild von Lummerland, konnte in über 50 Jahren geduldiger Forschungsarbeit genauso wenig ermittelt werden, wie die Zuordnung in eines der Weltmeere. Hier wartet eine nicht unbedingt dankbare, wohl aber im Sinne der vollständigen Entdeckung fiktionaler Räume wichtige Aufgabe auf jüngere Forschergenerationen.