Gute Insel, böse Insel

von admin

Foto: Margit Völtz/pixelio

Willkommen auf der Isla del Paso. Mein Name ist Max Milos und ich schreibe gerne über Inseln. Mir gefällt das Nebeneinander von Riffs und Stränden, das Nebeneinander von Schönheit und Gefahr, die Vielfalt. Wenn ein Tourist Insel hört, dann denkt er an eine Postkartenidylle. Ein Krimifan denkt hingegen an Alcatraz. Sie denken vielleicht an die Ilha Grande vor der brasilianischen Küste. Der Besucher nach Ihnen will alles toppen und denkt an den Mikrostaat „Sealand“ vor der britischen Ostküste.

Diese unterschiedlichen Ansätze sind erfreulich, denn auf der Isla del Paso geht es um Kontraste. Sonne und Schatten, Sand und Dschungel, Urlaub und Flucht, Holz und Stahl, Abgeschiedenheit und Begierde. Diese Kontraste kommen auf Inseln so hübsch zur Geltung, weil die Besucher nicht ohne weiteres verschwinden können.

Warum nicht den Begriff “Insel” weiter fassen? Selbst diejenigen unter uns, die noch nie auf einem Schiff waren, noch nie in einem Flugzeug gesessen haben, noch nie „Flug 714 nach Sydney“ gelesen haben (schwer vorstellbar, zugegeben), waren schon auf Inseln. Denkt an Jamie Foxx aus dem Film „Collateral“, der den Killer Tom Cruise durch LA fährt und dabei träumt von einem eigenen luxuriösen Fahrdienst mit Namen „Island Limos“! Die Mercedes-Limousine ist hier die Insel.

Oder wie ist es mit den so genannten Inselbegabungen? Savants machen häufig den Eindruck menschlicher Topfpflanzen, aber dann merken sie sich ein Telefonbuch oder errechnen die Zahl Pi bis auf 200 Stellen hinter dem Komma ohne sichtliche Mühe. Offensichtlich ist die Insel hier ein kleines Areal in einem menschlichen Gehirn, das inmitten eines trüben Sumpfes blüht wie kein zweites.

Am Ende der Definition sind wir, wenn wir auch die Singularitäten aus der Physik (die Schwarzen Löcher) als Inseln im Strudel des Universums begreifen. Das Problem ist nur, dass hier das Licht fehlt und Licht brauchen wir denn, wie schon gesagt, es geht um die Kontraste.